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Homematic IP - Erster Eindruck

Homematic IP ist ein von eQ-3 entwickeltes System, das zwei direkte Basisplattformen haben kann: eine im eigenen Netzwerk autark betriebene CCUx oder einen sog. Accesspoint.

Die CCUx-Variante erlaubt eine Kombination mit "normalen" Homematic-Komponenten, ist extrem flexibel, birgt jedoch enorme Nachteile (siehe hier). Ich habe mich daher für die Variante mit Accesspoint entschieden. Wenn ich im weiteren Verlauf von Homematic IP schreibe, beziehe ich mich dabei auf die Accesspoint-Variante (wenngleich das gesamte Modulsortiment für beide Varianten genutzt werden kann).

Die Grundlage: der Accesspoint

Der Accesspoint verbindet die lokalen Geräte mit der Homematic-Cloud. Dieser Dienst ist kostenlos und ist integraler Bestandteil des Systems. Der Hersteller eQ-3 nennt in seiner Erklärung "Zugesicherte Verfügbarkeit" eine Mindestverfügbarkeit für Produkte und Cloud bis 30.12.2030 - das ist schon eine amtliche Aussage. Daher wichtig für Anti-Cloud-Fanatiker: dieses Produkt ist definitiv nichts für auch. Ein dauerhafter Betrieb ohne Cloud ist nicht möglich.

Homematic IP hat kein Webinterface, sondern wird über ein Smartphone/Tablet bedient und eingerichtet. Hierbei sind sowohl Android- als auch IOS-Geräte vollständig unterstützt.

Der Accesspoint ist recht kompakt und verfügt neben dem Netzteil lediglich über einen LAN-Port, mit dem er ins lokale Netzwerk eingehängt wird. Eine WLAN-Verbindung ist nicht vorgesehen.

Die Einrichtung des Accesspoints ist sehr simpel: App runterladen und starten, den Accesspoint anstecken und dann mit der App den QR-Code auf der Unterseite einscannen und damit den Accesspoint verbinden lassen. Zum Schluss nochmal mit der blauen Taste auf dem Accesspoint bestätigen - damit sind das Handy und der Accesspoint gekoppelt.

In den Einstellungen lässt sich eine PIN hinterlegen, die das Verbinden weiterer Handys durch Unbefugte verhindert.

Ab diesem Moment kann der Accesspoint irgendwo in der Versenkung verschwinden - alles Weitere wird in der App bedient.

Die Module

Das Einlernen - also das Bekanntmachen - von Homematic IP-Geräten am Accesspoint läuft immer gleich ab: Das neue Gerät wird mit Strom versorgt, dann in der App die Suche gestartet und nach einigen Sekunden zeigt die App den Identifikationskey des Geräts an. Dabei werden aber die letzten vier Stellen des Codes ausgelassen und müssen in der App als Eigentumsbeweis eingegeben werden. Alternativ kann der jedem Gerät beiliegende QR-Code eingescannt werden.

Danach erfolgt die Grundkonfiguration - mindestens eine Zuordnung zu einem bestehenden oder neu anzulegenden Raum und ggf. weitere Angaben, die vom Modul abhängen. Fertig. Das Modul ist in der Regel unmittelbar betriebsbereit.

Beeindruckendes Zusammenspiel

Spannend an der gesamten Lösung ist die eingebaute "Intelligenz": Richtet man nacheinander einen oder mehrere Heizungsregler für den Raum "Wohnzimmer" ein und fügt dann einen Wandthermostat hinzu, werden die Geräte automatisch so verbunden, dass sie im Team arbeiten (siehe auch hier). Wird dann noch ein Fenstersensor eingebracht, integriert sich auch dieser ohne weitere Einrichtung insofern, dass die Heizung während das Fenster geöffnet ist gedrosselt wird.

Bedienung und Details

Das Interface ist übersichtlich und nicht überfrachtet. Der User wird in der Normalansicht nur mit einem sinnvollen Kurzabriss der Räume konfrontiert - ob in einem Raum jetzt ein oder mehrere Regeler und Sensoren im Einsatz sind, wird hier nicht angezeigt. Die Übersicht liefert (je nach verfügbaren Sensoren) das aktuellen Heizprogramm, die Soll- und Ist-Temperatur sowie die Info, dass ein Fenster offen ist (falls zutreffend).

Insgesamt wirkt die Lösung rund und durchdacht. Die Einrichtung ist kinderleicht und schnell erledigt.

Die Funktion "Automationen" bietet enorm Potential: hier können Abläufe nach dem Prinzip Auslöser, Zusatzbedingungen, Aktionen zusammengeklickt werden.

Als Trigger stehen alle denkbaren Ereignisse wie Bewegung erkannt, Boost, Energiezähler, Fensterzustand, Heiz-Betriebsmodus, Heizprofil, Helligkeitswert, Leistung, Luftfeuchtigkeit, Temperatur, Regen, Tastendruck, und und und verwenden und durch Zusatzbedingungen gefiltert werden.

D.h. z.B. Auslösen, immer Freitags um 20:00 Uhr, aber nur wenn nicht im Urlaubsmodus.

Ebenso vielfältig sind dann die ausführbaren Aktionen - hier kann jeder Aspekt des Systems gesteuert werden.

Eine durchgängige Bedienung der Oberfläche wird durch viele durchdachte Kleinigkeiten abgerundet.

Das System kann problemlos mit Alexa oder Google Home gekoppelt werden. Eine Remote-Bedienung von außerhalb des eigenen Netzwerks ist natürlich jederzeit möglich.

Bilderstrecke mit Erläuterungen

 Die Startoberfläche. Hier erhält man eine Zusammenfassung der Wetterinfos sowie den Überblick über die einzelnen Räume. Die Zahlen in den Kästchen visualisieren das aktive Heizprofil, unter dem Raumnamen findet sich die aktuelle Temperatur sowie die Luftfeuchtigkeit. Bei oberen Raum sieht man auch, dass das Fenster geöffnet ist - daher liegt die Solltemperatur trotz aktivem Heizprofil bei 12,0°C.
 Wählt man einen Raum an, kann bequem die Zieltemperatur manuell geändert werden und mit Boost eine sofortige Schubheizung mit einstellbarer Dauer aktivieren. Im oberen Teil des Dialogs kann das Heizprofil gewählt werden.
 Jeder Raum kann ein Hauptprofil sowie bis zu zwei Alternativprofile haben. Dazu kommt noch der Profilmodus "manuell", der einfach dauerhaft die eingestellte Temperatur hält und der sog. Partymodus hält eine manuelle Einstellung bis zu einem wählbaren Termin und wechselt dann wieder ins Standardprofil.
 Jeder Raum verfügt über eine Detailansicht, die alle im Raum befindlichen Geräte anzeigt. Dort lassen sich dann alle Daten ablesen - z.B. auch hier bei der Schalt-Mess-Steckdose für den Ventilator der aktuelle Stromverbrauch. (Die Steckdose protokolliert übrigens auch den Gesamtstromverbrauch)
Automatisierungsprogramme erlauben komplexe Bedienschritte zusammenzufassen und auf Basis von Ereignissen auszulösen.
Heizprofile erlauben eine detaillierte Konfiguration der gewünschten Wochen/Tag/Zeit-Temperatur-Zuordnung. Die Bearbeitung ist sehr einfach und erlaubt auch das Kopieren eines Tagesprofil zu anderen Wochentagen.
 Luftfeuchtewarnungen erlauben eine einfache und effiziente Überwachung des Raumklimas.
Solche überaus praktischen Funktionen bieten erhöhte Funktionssicherheit. Hier ermittelt das System zum Beispiel dynamisch, wie lange es nach Einsetzen der Heizung dauert, bis die gewünschte Temperatur erreicht wird. Dann wird bei den Heizzyklen entsprechend rechtzeitig früher losgelegt.

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