Ich hatte vor vielen Jahren einen Roomba-Saugroboter. Der hat irgendwann auf sehr ärgerliche Art und Weise das Zeitliche gesegnet. Der dann angeschaffte Medion Bot konnte ihm nie das Wasser reichen und stand sich deswegen in der Ecke zu Tode.
Als ich vor einiger Zeit beim großen Versandhandel eine Aktion für den Airrobo gesehen habe, habe ich mich erst sehr sorgfältig schlau gemacht: nach eingehendem Studium von Testberichten und Infos bin ich das Risiko eingegangen. Meine Wahl fiel auf den Airrobo T10+ mit Wischfunktion.
Reality-Check / Was darf man von einem Saug-/Wischroboter der Home-Klasse erwarten?
Es gibt ein paar mehr oder weniger offensichtliche Rahmenparameter für den Betrieb eines Bots:
1.) Er kann nur arbeiten, wo Platz ist. Wer die Wohnung saugen will, muss den Schrott, der herumsteht auch aus dem Weg schaffen - ob man das "on-the-fly" - also mit dem Staubsauger in der Hand oder vorweg macht, macht kaum Unterschied. Logischerweise kann ein Bot im bespielten Kinderzimmer halt auch nicht staubsaugen - genauso wenig wie ein Mensch. Will heißen: bevor man den Bot auf die "Jagd" schickt, muss man Stühle idealerweise hochstellen, Kabel aus der Bahn legen und Kleinteile am Boden einsammeln.
2.) Der Bot saugt und fährt - dementsprechend hat er logischerweise nicht die gleiche Saugleistung, wie ein reiner Akkusauger bzw. sogar ein kabelgebundener Staubsauger. Was er allerdings viel besser kann, als der Mensch: er hat unendlich Geduld. Massive Verschmutzungen, die mit dem "großen Bruder" des Bots schon problematisch werden, sind kein geeignetes Szenario für den schlauen Helfer. Gleiches gilt für die Wischfunktion: Nach dem Saugen nass nachwischen - kein Problem. Die Stelle, wo die Katze eben die Hälfte ihres Körpergewichts oral in den Raum ausgeschieden hat, zu reinigen - definitiv nicht. Alles, was schon mit dem Wischmop massives Schrubbern und Drücken erfordert, kann ein Bot offensichtlicherweise nicht leisten.
Auspacken und los?
Hört sich gut an, ist es auch beinahe. Der T10+ kommt mit einer recht groß dimensionierten Ladestation, da diese auch einen Staubbeutel enthält, in den sich der T10+ nach einer Arbeitstour entleert. Damit kann der praktische Helfer ggf. mehrere Monate ohne Staubbeutelaktion arbeiten.
Nach dem Auspacken sollte man sich als Erstes einen geeigneten Standort für die Ladestation suchen. Hier ist zu beachten, dass auch links und rechts von dem Teil etwas Platz sein muss. Damit der Bot sinnvoll navigieren kann.
Danach sollte man zuerst den Akku vollladen. Erfreulicherweise kommt das Gerät schon mit 80% Ladestand und ist damit schnell startbereit. Die Zeit bis dahin kann man nutzen, indem man die App koppelt.
Hier kommt ein alter Bekannter zum Einsatz: die Tuya Smart Life App.
Tuya wird immer mal wieder angemängelt, ich für meinen Teil muss allerdings sagen: mir ist eine nicht 1000% perfekt lokalisierte App, die ordentliche tut, was sie soll um Längen lieber als die Bananenware, die man von vielen "Markenherstellern" als Meisterwerk angedreht bekommt.
Der Sauger wird per Tastendruck in den Kopplungsmodus versetzt und wird dann von der App schnell gefunden. Danach bekommt er von der App das heimische WLAN eingeimpft - und ja: große Überraschung - auch hier geht nur ein 2.4GHz WLAN. Sobald der Airrobo das WLAN kennt, kann er über die App ferngesteuert werden.
Kurzer Ausflug: das ewige Ärgernis mit "dieses Gerät unterstützt nur 2.4GHz WLAN"
Der Durchschnittliche IT-Vegetarier regt sich jetzt tierisch auf und fragt sich, warum die Anfänger noch nicht mal ein brauchbares 5GHz-WLAN hinbekommen. Der Grund ist zwar für Laien nicht offensichtlich, aber frappierend simpel: 5GHz Signale haben eine deutlich kürzere Reichweite und eine äußerst schlechte Wanddurchdringung. 2.4GHz Signale schlagen sich hier um Längen besser. Dafür hat 5GHz eine viel höhere Bandbreite. Damit ist klar, warum die Hersteller von Heimautomation praktisch immer auf 2.4GHz setzen: die Bandbreite, die (hier z.B.) der Bot benötigt, ist lächerlich gering - warum also eine bessere Funkabdeckung zugunsten von mehr (nicht benötigter) Bandbreite verschenken.
Sobald der Akku geladen ist, lässt man den Bot los: er flitzt dann erst einmal ziemlich unkoordiniert durch die Wohnung. Idealerweise hat man alle Stühle hochgestellt und alle Kabel beseitigt/hochgehängt - und alle Türen geöffnet. Dann kann der Bot die gesamte Wohnung kartographieren. Das macht er erstaunlich präzise und pinselt in der App nach und nach eine Karte der Wohnung. Verpasst er die eine oder andere versteckte Ecke, kann man ihn mit der Fernbedienung manuell dorthin fahren. Er merkt sich das brav und nimmt es in die Karte auf.
Anschließend zerhackstückt an die Wohnung in der App in einzelne Räume und markiert auf Wunsch noch Bereiche, die der Bot keinesfalls anfahren soll und solche, die er keinesfalls wischen soll. Fertig.
Jetzt kann man den Bot einfach losschicken oder auch gezielt einen oder mehrere Räume auswählen, die er nacheinander bearbeiten soll. Das kleine Kerlchen düst los und erledigt seine Arbeit. Das passiert durch die Lasernavigation übrigens beeindruckend schnell. In der App sieht man an der virtuellen Spur, die er hinterlässt, wie präzise er den Raum vollständig abdeckt.
Saugen
Das Saugen geht supergut. Raum/Räume wählen, losschicken. Die Arbeit wird gut erledigt und der Bot fährt zurück zur Basis, um sich zu entleeren und wieder aufzuladen. Sollte der Akku unterwegs leer werden, setzt er den Job nach Aufladen wieder fort. Unsere über 100m² packt er aber ohne Mühe mit einer Akkuladung. Im Auto-Modus reguliert er die Saugstärke abhängig vom Untergrund: auf Hartböden ist er erfreulich leiste (und wird damit dem Werbeversprechen gerecht); bei Teppich gibt er Schub und wird dadurch etwas lauter.
Jede Wohnung hat garantiert Ecken, wo der Bot mechanisch einfach nicht hinkommen kann. Hier muss natürlich von Hand nachgearbeitet werden.
Das Saugergebnis ist sehr gut - auch größere Dinge wie z.B. das Trockenfutter unserer Katze (ungefähr die Größe eines TicTacs) nimmt er gut mit.
Wischen
Zum Wischen entnimmt man den Staubbehälter (das geht einhändig, ohne den Roboter hochzunehmen oder gar "auf den Rücken" zu legen) und füllt den intergierten Wassertank mit Wasser bzw. einem Schuss Reiniger. Auf der Unterseite des Behälters wird der Wischer eingeclippt. Dann kommt die ganze Konstruktion wieder an den Bot und los geht die Saug-/Wisch-Fahrt. Die Füllung reicht bei höchster Benetzungsstufe geschätzt für einen größeren oder zwei kleine Räume - ca. 15-20m². Leider muss man hier selbst aufpassen, da der Bot keinen Sensor für "Tank leer" hat.
Der Wischvorgang ist immer mit vorangehendem Saugen - d.h. es wäre eine phänomenal blöde Idee, den Bot auf nasse Verschmutzungen zu hetzen. Der Vorgang geht in einem Zug: vorne wird gesaugt, hinten gewischt.
Das Wischpad gibt es in zwei Ausführungen: Mehrfachnutzung und Wegwerftücher. Letztere würde ich aus Umweltschutzgründen eher vermeiden.
Das Ergebnis des Wischens kann sich durchaus sehen lassen. Der Bot deckt auch hier zuverlässig alles vollständig ab.
Kleinigkeiten
Die App verfügt über einen Spot-Clean-Modus. Man kann einen beliebigen Platz in der Wohnung markieren, den er Bot dann anfährt und reinigt.
Die Sprachausgabe (abschaltbar) ist unaufdringlich und in einwandfreiem Deutsch verfügbar.
Alle Verbrauchsmaterialien (Hauptbürste, Seitenbürste, Staubbeutel) haben Zähler für die Lebensdauer. Ein Set mit einem Jahresbedarf gibt es für einen sehr überschaubaren Preis zum Nachkaufen. Man hat hier nicht den Eindruck, sich auf ein megateures verstecktes Abo hereingefallen zu sein.
Die Hauptbürste lässt sich sehr gut reinigen; insgesamt kommt das Gerät hervorragend mit Tierhaaren klar.
Der Bot nimmt unseren ca. 1,5cm hohen Teppich ohne Probleme mit, überraschenderweise auch eine über 1cm hohe Hartholzkante. Auch nach mehreren vollständigen Reinigungen der Wohnung ist es noch nie passiert, dass er sich irgendwo "verlaufen" hat.
Spannend ist auch das Verhalten, des Bots, wenn man ihn durch die Gegend trägt. Bringt man ihn in ein x-beliebiges Zimmer und startet dann ein Programm, dreht er sich erst ein paarmal auf der Stelle und findet heraus, wo er gerade ist. Dann legt er mit seinem Programm los.
Fazit
Der T10+ bietet ein hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis und ist auch für Haushalte mit Tieren gut geeignet. Der auffällig leise Betrieb auf Hartböden ist ein nicht zu unterschätzendes Feature: im Nachbarraum eine Unterhaltung zu führen ist ohne Einschränkung möglich.
Die Einrichtung geht gut von der Hand, die App ist durchdacht und vollständig.
Daher: volle Empfehlung von meiner Seite.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen
Um mich vor der (leider ziemlich geistlosen) deutschen Gesetzgebung zu schützen, prüfe ich alle Kommentare vor der Veröffentlichung. Ich bitte um euer Verständnis für diese Maßnahme.