Smartphones werden immer leistungsfähiger, die Akkutechnik scheint aber hinterherzuhängen. Grund genug, ein paar Punkte zu beleuchten und zusammenzufassen.
Wie laden?
Man liest immer wieder wohlgemeinte Ratschläge, wie ein Akku zu behandeln sei und "welche Behandlung ihn garantiert innerhalb kürzester Zeit kaputt macht". Aus langjähriger Erfahrung kann ich sagen: wie immer wird heißer gekocht als gegessen. Und zwischen "Perfekt" und "totale Katastrophe" gibt es ganz viele Abstufungen.
Ein Akku muss die richtige Temperatur haben - zu niedrig ist schlecht, zu hoch auch. Aber mal ernsthaft: soll ich im Sommer mein Handy zu navigieren mit Google Maps ins Handschuhfach legen, damit es nicht zu heiß wird (ja sorry, ich hab einen Scheiß-Opel und der Hersteller ist auch bei Fahrzeugen BJ2017 zu blöd Android Auto für mehr als "ein paar" veraltete Handys zur Verfügung zu stellen).
Umgekehrt: soll ich beim Winterspaziergang das Handy immer schön in der Brusttasche lassen, damit es schön warm hat? Macht irgendwie keinen Sinn. Ein Smartphone ist ein Gebrauchsgegenstand und muss damit bitteschön klarkommen - sonst haben die Entwickler Mist gebaut. Nichtsdestotrotz können wir ja ein wenig mitdenken, was die Gerätetemperatur betrifft und es vielleicht nicht gerade beim Laden dann noch auf die Fensterbank mit direkter Sonneneinstrahlung legen.
Häufiges Laden killt den Akku. Ähnliche Situation wie mit der Temperatur... Hand auf's Herz: wer hatte nach dem Nokia 3110 noch ein Handy, das so viel Akkureserve hat, dass er beim Laden auf die Befindlichkeiten des Handys achten konnte und nicht einfach nur nach dem Prinzip "Mist schon wieder leer" die Ladevorgänge geplant hat? Also gleiches Thema wie oben. Poweruser hängen ihr Handy an, wenn sich die Gelegenheit dazu bietet und gut - sonst ist das Ding nämlich dann leer, wenn man es überhaupt nicht brauchen kann.
Die meisten modernen Handys haben eine Laderegelung, die sich ein wenig darum kümmert dem Akku nicht gerade maximal ungeschickt zu stressen. Als Akkus findet man mittlerweile fast nur noch Li-ion-Akkus, die auch gegen den früher gefürchteten Memory-Effekt (zu früh laden verringert mit der Zeit die Kapazität) quasi immun sind.
Auch hier gilt Praktikabilität: Wenn ich im Auto mit dem Handy navigiere (übrigens eine erstaunlich ressourcenhungrige Angelegenheit), komme ich doch niemals auf die Idee, das zu tun, ohne das Gerät an den Strom zu hängen. Und wer das Teil nicht über Nacht lädt, der braucht es wohl eher selten.
Wissen vs. Glauben
Wer sich ein wenig mit dem Thema "USB" auseinandersetzt, stellt schnell fest, dass es selten in der Geschichte der Computertechnologie eine schwachsinnigere Ansammlung von Hätte, Könnte, Würde gegeben hat als bei der Spezifikation dieses (angeblichen) Standards. Das einzige was hier Standard ist, ist der Umstand, dass USB-Anschlüsse eine Buchse sind und am Kabel der Stecker - alles andere ist dann eigentlich schon ziemlich Freistil.
Für den geplagten Smartphone-User gilt: man kann sich auf nichts verlassen. Ladegerät und Kabel können ihren Job verdammt gut oder verdammt schlecht machen (und natürlich wieder in jeder Abstufung dazwischen). Daher macht es Sinn, sein Equipment zu prüfen. Und wer könnte uns besser verraten, wie gut oder schlecht das Laden klappt, als das Handy selbst.
Wie immer auch hier wieder: ich bin Android-Mensch - d.h. Apple User müssen leider selber suchen ;-)
Im Playstore finden sich diverse Apps um den Ladevorgang zu beobachten. Mein persönlicher Favorit ist die App Ampere, die schon in der kostenlosen Fassung gute Dienste leistet, für mich aber auch jeden Cent für die Bezahlversion wert ist.
Der Test ist einfach: Handy an, Ampere installieren und öffnen, Ladekabel anstecken und schauen was passiert. (Hierbei empfehle ich als Basisbenchmark immer, das Originalnetzteil mit dem Originalkabel zu verwenden - dann weiß man, was gehen muss und kann mit dem anderen Material vergleichen).
Ampere zeigt den Ladestrom an, der reinläuft. Dabei sollte das Gerät natürlich nicht gerade im Hintergrund hochkomplexe Berechnungen durchführen, sondern mehr oder weniger "nutzungsfrei" sein. Vorsicht auch vor intelligenten Lademechanismen: oft tastet sich das Gerät vorsichtig an die maximale Leistung ran und schaltet erst nach einige Sekunden stufenweise auf mehr Schub. Was man sich als Grundwert nehmen kann: 500mA gehen eigentlich immer - die kommen sogar vom Standard-USB-Port eines PCs. Auch wichtig: gegen Ende des Akkufüllstands nach oben hin riegeln Laderegler normalerweise ab und die Leistung nimmt auch ab. D.h. zum Testen sollte sich das Gerät irgendwo im deutlich teilentladenen Zustand - so zwischen 15% und 40% befinden.
Beim Laden buhlen verschiedene Technologien um den Thron des Schnellsten. Bekannte Vertreter sind QuickCharge oder verschiedene herstellerspezifische Systeme. Die Systeme setzen auf eine Erhöhung der Spannung und/oder der Stromstärke und sind daher auf eine saubere Kommunikation zwischen Ladegerät und Handy angewiesen. Entsprechende Schutzmechanismen sorgen dafür, dass nur bei Erfüllung aller notwendigen Parameter der Schnellladevorgang greift. Ein "normaler" USB-Port liefert maximal 500mA bzw. maximal 900mA (bei USB3). Alles darüber hinaus läuft in der oben beschriebenen Kategorie.
Eines der heftigsten Systeme, die ich live kenne, ist mein OnePlus 7T Pro. OnePlus setzt mit WarpCharge auf eine Eigenentwicklung, die zwingend ein Originalnetzteil und sogar ein maximal 90cm langes Originalkabel erfordert. Dafür belohnt die Technologie mit geradezu irrwitzigen Ladezeiten: der 4080mA Akku wird in 30 Minuten von 0% auf sage und schreibe 70%(!) geladen. Solche Geschwindigkeiten brauchen ordentlich Wumms, weshalb die Ladeanzeige von Ampere auf bis zu beeindruckenden 5.720mA steigt und sich bei 5.500mA einpendelt. Die Akkutemperatur liegt dabei (bei 23°C Raumtemperatur) statt 27°C im Leerlauf bei immerhin 37°C.
Kabellos?
Ebenfalls ein Dauerbrenner ist das fabulöse kabellose Laden. Unter verschiedenen Produktbezeichnungen geführt und eigentlich nicht so furchtbar aufwendig zu implementieren, geistert die Technologie schon seit gut 10 Jahren in Form von Einzelgeräten und sogar Nachrüstsätzen herum, wurde bislang aber von keinem Hersteller ernsthaft umgesetzt. Erst in der aktuellsten Gerätegeneration kann man davon sprechen, dass es "viele" Modelle mit kabellosem Laden gibt.Dabei sollte man allerdings nicht zu viel erwarten: Strom fließt bekanntlich besonders gut durch Metalle und in einem Kabel ist nun mal Metall. Es gilt wie immer die Devise: Ein gutes Kabel ist nur durch eins zu ersetzen - ein besseres Kabel. Beim kontaktlosen Laden entfällt praktischerweise das lästige Stecker-Stöpseln und das Kabelwirrwar, dafür sinkt aber auch die Ladeleistung signifikant. In der neuen Modellreihe bietet OnePlus mit WarpCharge Wireless eines der leistungsfähigsten Systeme an und erreicht damit eine Ladung des 8 Pro von 0% auf 50% in 30 Minuten. Das ist zwar für kabelloses Laden äußerst beeindruckend, aber immer noch fast 30% langsamer als die verkabelte Variante des gleichen Geräts.
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